links: Tagsüber sind viele Korallen geschlossen. mitte: nachts öffnen sie ihre Tentakel, um Beute zu fangen. rechts: Korallen können fluoreszieren, besonders gut sichtbar unter Schwarzlicht.
Welche Bedingungen Korallen brauchen
Korallenriffe entstehen vor allem in warmen, klaren und flachen tropischen Meeren. Bei einer Tiefe von 5-10m Wassertiefe entwickelt sich das Riff am schnellsten. Viele riffbildende Korallen wachsen am besten bei Wassertemperaturen zwischen 25-29 Grad Celsius. Sie brauchen viel Licht, weil die symbiotischen Algen (Zooxanthellen) Licht für die Fotosynthese benötigen. Deshalb finden sich die größten Riffe meist in sonnenreichen Küstenregionen, in denen das Wasser nicht zu trüb ist.
Wichtig ist auch, dass das Wasser nicht zu nährstoffreich ist. Klingt zunächst widersprüchlich, ist aber logisch, denn zu viele Nährstoffe fördern Algenwachstum im Wasser, wodurch Licht für die Korallen verloren geht. Zusätzlich brauchen Korallen ein stabiles chemisches Umfeld, damit sie Kalk bilden können. Werden die Meere wärmer oder saurer, wird dieser Prozess schwieriger.
Was ein Korallenriff ausmacht
Ein Korallenriff ist nicht nur eine Ansammlung von Korallen, sondern eine massive Struktur, die über viele Jahrhunderte wächst. Wenn Korallenpolypen sterben, bleibt ihr Kalkskelett zurück. Auf diesem Skelett können sich neue Polypen ansiedeln, sodass Schicht für Schicht ein großes Riff entsteht. So wird aus einer Kolonie von Tieren mit der Zeit ein Lebensraum, der hunderte oder sogar tausende Arten beherbergen kann. Ein Riff ist nicht nur das Ergebnis von Korallenwachstum, sondern auch von langfristiger biologischer und geologischer Arbeit.
Ein gesundes Riff besteht aus:
lebenden Korallen, die die Oberfläche bilden
toten Korallenskeletten, die das Fundament bilden
Algen, Schwämmen, Muscheln und Würmern, die Lücken füllen
unzähligen Tieren, die das Riff beleben und formen
So entsteht ein komplexes Ökosystem, das zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde gehört. Ein Korallenriff ist ein lebendes Bauwerk, das ständig wächst, bricht, repariert und sich erneuert.
Warum Riffe so wertvoll sind
Biodiversität
Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Lebensräumen im Meer. Sie bieten Nahrung, Schutz und Kinderstuben für Fische, Krebstiere, Weichtiere, Schwämme und viele andere Organismen. Obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil des Meeresbodens bedecken, tragen sie überproportional stark zur marinen Biodiversität bei.
Nahrungssicherheit und Lebensgrundlage
Auch für uns Menschen sind sie enorm wichtig. Weltweit leben etwa ein Achtel der Weltbevölkerung (rund 850 Millionen Menschen) in bis zu 100km Entfernung von einem Korallenriff. Mindestens 275 Millionen dieser Menschen wohnen sehr nah an Riffen und sind dadurch direkt von ihren Ökosystemleistungen abhängig. Fisch ist nicht nur irgendein Nahrungsmittel, sondern eine wichtige Proteinquelle und Lebensgrundlage für diese Küstengemeinschaften.
Küstenschutz
Riffe schützen Küsten, indem sie Wellenenergie abschwächen, Sturmfluten mildern und Erosion verlangsamen. Das ist nicht nur vorteilhaft für Siedlungen und Infrastruktur, sondern auch für angrenzende Ökosysteme wie Seegraswiesen und Mangroven.
Tourismus
Korallenriffe sind vor allem auch im Tourismus sehr beliebt. Mehr als hundert Länder und Territorien profitieren direkt vom riffbasierendem Tourismus. In über zwanzig dieser Länder stammen mehr als 30 % der Exporterlöse aus tourismusbezogenen Aktivitäten, zu denen Tauchen, Schnorcheln, Freizeitfischerei und auch die tollen weißen Strände gehören.
Medizin
Ein Punkt wird gerne übersehen, der Beitrag des Korallenriffs zu unserer Gesundheit. Viele Organismen, wie etwa Schwämme, Weichtiere und Algen produzieren hochkomplexe chemische Verbindungen, mit denen sie sich gegen Fressfeinde, Keime oder Konkurrenten schützen. Genau diese Moleküle sind ein Schatz für die Medizin. Sie werden unter anderem für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Krebs, HIV, Malaria und andere Krankheiten untersucht und bereits heute sind zahlreiche zugelassene Arzneistoffe aus marinen Organismen abgeleitet. Da erst ein kleiner Teil der Rifforganismen chemisch untersucht wurde, ist das Potenzial für neue Wirkstoffe enorm.